"gute musik macht einsam"
titel/mp3

Sachliche Romanze
Höhere Töchter im Gespräch
Don Juans letzter Traum
Wiegenlied für sich selber
Stimmen aus dem Massengrab
Die sehr moralische Autodroschke
Marionettenballade
Zeitgenossen, haufenweise
Der November
Zur Fotografie eines Konfirmanden
Abschied in der Vorstadt


booklet:
6 seiten
durchgehend
4 - farbig

vorschau 1
vorschau 2
vorschau 3
vorschau 4

ISBN 3-8218-5158-9 ### Texte: Erich Kästner ### Musik: Peter Böving ### Länge: 52 Min.
gesang:
peter böving,
susanne philips,
daniel basso,

sprecher:
frank heuel,
severin von hoensbroech,
bettina marugg,
evelin degen

flöte:
evelin degen

horn:
ferdinand fremerey

bass,
banjo, violine,
tasteninstrumente,
schlagwerk:

peter böving

schlagzeug:
laas abendroth,
peter eisold,
norbert krämer

mastering, produktion:
peter böving




+++Presse+++Presse+++Presse+++Presse+++Presse+++Presse+++Presse+++Presse+++Presse+++Presse+++



Neue Begegnung mit Erich Kästner

...Diesen Kästner haben Peter Böving (Komponist und Musiker) und Frank Heuel (Schauspieler) und Evelin Degen (Musikerin) so rezitiert, dass man die bekannten Zeilen neu hören konnte, wie beim Achterbahn- oder Karusellfahren,
wenn man kurz die Orientierung verliert oder wenn man einen anderen Weg als den gewohnten einschlägt und das Bekannte und Alltägliche aus einem anderen Blickwinkel, neu und fremd, wahrnimmt, als ob man noch nie einen Fuss in eine Gegend gesetzt hätte.

Und das ist eine Kunst, denn Kästners Gedichte sind so bekannt, dass das Publikum oft fast selber mitsprechen könnte. Seine Gedichte, seine melodramatische und humorvolle Sprache, bleibt im Bewußtsein hängen, ohne dass man sich darum bemüht. ...
... Die Künstler des «Kästner Projektes» haben nach Melodien und Darstellungsformen gesucht, wie man diese Gedichte
neu und frisch vortragen kann, damit man sie wie die bunt glitzernden Steine eines Kaleidoskopes wahrnehme.
Und das ist ihnen gelungen.

Es ist, als würde Schauspieler Frank Heuel eine Jalousine hochziehen, die den Blick auf einen neuen, anderen Kästner freigibt.
Er zitiert so, dass man den «eigenen» Kästner nicht auf Anhieb wiedererkennt, ihn erst suchen muss.
Die Gedichte Kästners kommen neu daher, glänzend und frisch wie nach einem Regenschauer.

Lyrik wird zum Tanz

Entwickelt wurde «Das Kästner Projekt» vom Komponisten und Musiker Peter Böving aus Duisburg. Böving begleitet nicht nur, sondern er kleidet Kästners Sprache in Musik (Bass) und Gesang, ist Echo und Rezitator zugleich.

Böving singt Kästners Gedichte als deutsche Chansons, als Schlager der 90er Jahre auch. Der Kästner-Abend wird so zum Zwiegespräch, zum Kanon, zum gemeinsamen Lied.

Evelin Degen, seit zwei Jahren mit dabei, akzentuiert mit Flöte und Glockenspiel. Als dritte Teilnehmerin öffnete sie den Raum, macht ihn dreidimensional. Böving hat so Zeit, auf Zitate zu antworten und kann zum Beispiel ein zweites, späteres Gedicht ins erste einweben.

Die Kästner-Gedichte werden so zum Tanz. Tanz, der auf der Bühne von Frank Heuel und Peter Böving auch dargestellt wird. «Das Kästner Projekt» ist nicht nur inszenierte Literatur. Es könnte ebensogut Konzert sein, ein Konzert, bei dem man leicht mittanzen würde. ...“

Cornelia Thürlemann
Basler Zeitung vom 18. Januar 1999



JAZZPODIUM Januar 2002

Das Kästner Projekt: Seit 1993 tourt der bassistische Autodidakt Peter Böving nun schon mit seinen eigenwilligen Interpretationen Kästnerscher Lyrik durch die Lande, inszeniert, rezitiert, reflektiert, räsoniert, chansoniert und echolotet Gedichte des menschenfreundlichen Moralisten aus Dresden, der nicht nur als liebevoller Jugendbuchautor sondern ebenso als spitzzüngiger Satiriker andauernden Ruhm erlangte in seiner bösen Ironie über die "Zeitgenossen, haufenweise", denen gegenüber nur mehr eine Option zu bleiben scheint: "Man sollte kleine Löcher in sie schießen!" Die "Sachliche Romanze" und der Tod der Liebe im Getriebe des Alltags, die "Höhere(n) Töchter im Gespräch", die nur einen Wunsch auslösen, nämlich den, "dass sie das Reden ließen", "Don Juans letzter Traum", lüstern und krank vor Gier und Übersättigung, das alles kommt zu Wort in Stimme und Ton, Klang und Raum, Echo und Widerhall, Sprache und Gesang, begleitet u.a. von Frank Heuel und Evelin Degen, kompromisslos, klar und immer im Dienste des Textes. Die eher sparsame Instrumentierung hebt Nuancen der Interpretation heraus, die die bekannten Gedichte wie in neuem Gewand erscheinen lassen. Der resignierte Abschied vom entfremdeten Selbst im Konfirmandenanzug oder der enttäuschte Lebensdurst im Geschlechtsverkehr nach dem Kalender der Sachzwänge finden ebenso ihre bedrängende Aktualisierung wie die "Stimmen aus dem Massengrab" auch heute Gehör heischen - allen salbungsvollen Reden zum Trotz.

Dr. Tobias Böcker



LISTEN
Rezensionszeitschrift Heft 63

Ertappt. Nachgesummt und mitgebrummt. Das Kästner-Projekt ist keine sachliche Romanze. Die Melodie heftet sich an die Ohrmuschel. In der Straßenbahn oder unter der Dusche kriecht sie hervor. Es scheint, als haben der Text und die Musik einen Pakt geschlossen. Die Gedichte werden nicht nur musikalisch begleitet, sondern erleben eine neue Intensität – die Ironie und die Melancholie haben eine neue Ausdrucksform gefunden.

Das Kästner-Projekt wurde 1993 als Bühnenprogramm uraufgeführt. Gute Musik macht einsam ist in Anlehnung daran als CD-Produktion entstanden. Peter Böving hat das Projekt ausgearbeitet und die Musik komponiert. Schon seit zwanzig Jahren beschäftigt er sich mit Kästner - das zahlt sich aus. Die Gedichte werden auf einer weiteren Ebene neu interpretiert. Pointen werden deutlicher und direkter. Die Musik ist kein Fremdkörper, sondern schmiegt sich an den Text. Bei Don Juans letzter Traum hält sie sich dezent zurück, schafft Atmosphäre und bereitet den finalen Höhepunkt. Frank Heuel rezitiert den Text und spielt mit seiner markanten Stimme. Schon beim nächsten Track ist alles anders: Wiegenlied für sich selber ist beschwingt und bezwingend. Die Leichtigkeit der Melodie bricht ab und die traurige Ironie des Gedichtes wird deutlich: Denn wer schläft ist nicht zu Hause ... Es scheint, als habe sich ein Pool von Kreativität, Experimentierfreude und Charme in diesem Projekt zusammengefunden: Kästner neu und ewig.

Silke Schmitt



Kabarettabend
der leisen Komik und Musik


Das hätte dem vor 100 Jahren geborenen und vor 25 Jahren gestorbenen Erich Kästner sicher gefallen, wie „Das Kästner Projekt“ einige seiner Gedichte und Prosatexte zu einem zweistündigen Abend verdichtete, der jetzt vom Verein für Literatur und Kunst in der Stadtbibliothek gezeigt wurde.
Zwei Männer und eine Frau sitzen und stehen auf der Bühne, sie transportieren die Kästner-Texte mit theatralischen und musikalischen Mitteln treffsicher über die Rampe.

Zeitgemäß

Schon seit 20 Jahren befaßt sich Peter Böving als Komponist, Sänger und E-Bassist mit dem Dichter, er ist der Kopf des Kästner-Projekts. Seine Kompositionen sind funkige Chansons, die eine große Kabarettradition zeitgemäß fortsetzen. Genau das Richtige für Kästners teils absurde, teils hintergründige Komik. Herz der Gruppe ist Evelin Degen an großer Flöte, Altflöte und Glockenspiel, deren Töne nicht nur die Textflut auflockern, sondern auch die unerlässliche Wärme spenden, sonst könnte man Kästner womöglich als Zyniker missverstehen.

Aber das wird ja auch schon mit der raffinierten Darstellung und Rezitation der Texte durch Frank Heuel vermieden. Seine Bühnenfigur ist bewußt ein fieser Typ, so dass Kästners ironisch gebrochener Humanismus umso stärker aufleuchten kann. Wir hören die Worte, wir vergessen plötzlich die ganze Aufbereitung, die mit dem Material eins geworden ist, und wir fühlen uns getroffen.

Lachen können wir auch, aber es ist eben eine leise Komik, die aus der Sprache kommt und nachdenklich macht. Darüber hinaus vermeiden die Drei in ihrer Darstellung grobe Gags, wenn etwa Peter Böving seinem E-Bass mit einem Teelöffel seltsame Klänge entlockt oder Evelin Degen ihr Glockenspiel an Frank Heuel ausleiht, nur damit dieser darauf zwei einzelne Töne spielen kann.

Botschafter

Auch wenn die Texte gut ein halbes Jahrhundert alt und weitgehend bekannt sind, wirken sie hier ganz aktuell. In Duisburg lauschten etwa 50 Interessierte einem gelungenen literarischen Kabarettabend. Wie man hört, wurde „Das Kästner Projekt“ vom Goethe- Institut zu Auftritten nach Osteuropa geschickt. Einen besseren Botschafter deutscher Literatur kann man sich kaum vorstellen.

Ingo Hoddick
Rheinische Post, 22. Oktober 1999