"jandls ernst"
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reihe
auf dem land
kurzfilm
der schweiß
der märtyrer, schtzngrmm
ich heize anton
sturz vor zeugen
etüde in f
vom ende des schreibens
goethe
essen-
stück mit aufblick
syntax
musik
syntax
im bett, beim erwachen, die morgenfeier
etwas auf dem boden
geschlechtsumwandlung


booklet:
16 seiten
durchgehend
4 - farbig

vorschau 1
vorschau 2
vorschau 3
vorschau 4
ISBN 3-8218-5149-x ### Texte: Ernst Jandl ### Musik: Peter Böving ### Länge: 45 Min.
sprecher:
frank heuel,
bettina marugg,
frank meyer,
stefanie herrmann,
oli iserloh,
peter böving,
martin begall,
manfred adomat,
laas abendroth
gesang:
bettina marugg,
peter böving

flöte:
evelin degen
e-bass, klavier, percussion,geräusche, musikelektronik:
peter böving
saxophon:
kai dorgathen
produktion:
peter böving




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Pure Lust am Wort

Die Übergänge vom Gesprochenen zur Musik sind wunderbar fließend, eine heitere, packende Herausforderung fürs Ohr, ganze kompakte 45 Minuten lang.
Die Lust der Akteure an der Lautinterpretation und der Spaß an der Grenzüberschreitung sind förmlich spürbar. Auch das Zuhören ist lustvoll, wobei die besten und erfrischendsten Momente dann sind, wenn sich die Musiker vom vorgetragenen Wort frei machen und weit in die Musik hineinbegeben. Ein Genuss für Feinschmecker-Ohren.

Christine Kweta ORF online 16. Juni 2000



Nachdem Peter Böving 1993 Erich Kästner musikalisch verarbeitet hatte, verleibt er sich nun seit einigen Jahren Jandl ein, diesen wohl bekanntesten Protagonisten moderner deutschprachiger Lyrik.

Seit 1999 gibt es dessen Ernst nun auf CD. Das ist gewiss kein Jazz im engeren Sinne sondern klangcollagierte Rezitation und Interpretation. Ernst Jandls Texte beziehen ihren Reiz zu einem gut Teil aus der verfremdeten Reduktion des semantischen und der gleichzeitigen Steigerung des Lautmalerischen, "silben, wie wild vom Sprachbaum geschüttelt", welche dann flugs eine veränderte wiederum auch semantische Qualität codieren.

Marianne Weber schreibt im Booklett der CD; "jandls lyrik ist die pure lust am sich öffnen des mundes und an dem, was an silben dabei herausfällt, ein subtiles, manchmal schockierendes beobachten dessen, was laut werden will."
Das hat nun wieder viel mit improvisierter Musik gemein. Bövings und seiner Mitstreiter Projekt geht weit über den bloßen Vortrag hinaus. Bis zu neun Stimmen gleichzeitig heben Jandls Texte-zum Teil mit leichten Zeitverschiebungen-ins Wort und formen sie neu. '

Die Musik bedient sich unterschiedlichster Mittel: elektronische Klänge, perkussive Elemente, Flöten- und Saxophonlinien, Geräusche und eben immer wieder die rhythmisch versetzten Stimmen.

Dabei wird mit der Sprachverwirrung gespielt, dass es nur so eine kindlich-ernste Freude ist. Jandls Ernst ist ein höchst vergnügliches, sinnig-sinnliches Erlebnis.

Dr. Tobias Böcker JAZZ PODIUM Juni 2000



Das Wort beim Klang genommen

Die CD „jandls ernst“ (im Buchhandel zu haben) ist wie das Bamberger Rauchbier aus dem „Schlenkerla“, das den Unfranken erst befremdet, dann aber nach mehr verlangen und mehr entdecken lässt.

BERND DURSTEWITZ Grafschafter Nachrichten 13. Juni 2000



Spiele mit Sprache und Musik

Die Lieder von Brahms und Schumann (“Zwielicht” in “der märtyrer”) sind freilich kaum noch erkennbar, verwoben in die allgemeine Mischung aus Geräuschen, Lauten und Tönen, die hier das Ohr kitzelt. Kurz gesagt: Das ganze ist ein Vergnügen für aufgeschlossene Hörer, die Spaß an Sprachspielen haben.

INGO HODDICK Rheinische Post 7. Juni 2000



Verjazzte Poesie
HÖRTEST “Jandls Ernst” :
Peter Bövings lautmalerische Lyrik-Interpretationen

Dass man lechts und rinks leicht velwechsern könne, wissen viele, die nicht mal
den Namen von Ernst Jandl kennen.
Der Lyriker nahm Platten mit dem Vienna Art Orchestra auf, Brückenschläge von Lyrik zum Jazz. Nun nähert sich der in Duisburg lebende Bassist Peter Böving den lautmalerischen Texten von der anderen Seite her an.
Die Platte “Jandls Ernst” bietet einen eigenständigen Zugriff auf das Schaffen des österreichischen Poeten. Dabei interpretiert das neunköpfige Ensemble nicht nur einzelne Texte, sondern montiert mehrere Gedichte zu komlexen Suiten. Die ganze Pracht der Platte erschließt sich erst beim zweiten, dritten Hören.

Wie bei “Geschlechtsumwandlung” die Musik vom sanft swingenden Bossa “The Shadow of Your Smile” zum Volkslied “Mein Hut der hat drei Ecken” mutiert. Wie bei der Heiligenlegende vom “Märtyrer” ein Thema von Schumann zurückgedacht
wird in barocke Klangarchitektur. Wie die Texte Tempo und Dynamik erhalten, bis zu dancefloor-fähigen Grooves bei “essen”.
Und wie in der “etüde in f” eine melancholische Stimme den “falfischbauch” beschwört, das kondnsiert herrlich ironisch die Essenz fieler, pardon: vieler Fernwehlieder. sti

Dr. Ralf Stiftel Westfälischer Anzeiger vom 08.06.2000



Album der Woche und ein ungewöhnliches dazu: “jandls ernst”
Große Lust an Text und Rhythmik...

Dieses Album ist nichts für die akustische Hintergrundkulisse, aber auch keine verkopfte schwere Kost: vielmehr ein lustvolles Spiel mit Worten und Rhythmik, ein Vergnügen. ...

TOBIAS KESSLER Saarbrücker Zeitung 24. Februar 2000



Da kommt das makabre Küchenmops-Poem “geschlechtsumwandlung” als Moritat zu lässigen Bossa-Rhythmen daher. Oder “essen - stück mit aufblick” wird zur coolen Deklamation über verfremdeten Funky- Sounds.
Da genug Ernst hinter dem vermeintlichen Spaß steht, ist die CD ein Vergnügen, das Jandl gerecht wird.
... eine gute Gelegenheit, Jandl neu zu hören.

ROLAND SPIEGEL Abendzeitung (München) 17/18. Juni 2000



"jandls lyrik ist die pure lust am sich öffnen des mundes und an dem, was an silben dabei herausfällt, ein subtiles, manchmal schockierendes beobachten dessen, was laut werden will." So Marianne Weber im Booklet zur CD "Jandls Ernst", auf der Peter Böving, Bettina Marugg und Frank Heuel zusammen mit sechs weiteren Sprechern den Beweis antreten, dass Jandls Texte sich manchmal auch aus anderer Munde als jenem ihres Schöpfers zu voller Wirkung entfalten.

Niemand könne Jandl in der Jandl-Rezitation das Wasser reichen, hieß es oft zu seinen Lebzeiten. Der Dichter wehrte sich vehement gegen diese Ansicht, seine Art, die Lautgedichte vorzutragen, sei nur eine unter vielen möglichen, er hoffe, es werden sich später einmal andere finden, die zu völlig anderen Interpretationen kommen, und außerdem - wenn er der einzige sei, der seine Gedichte vortragen könne, dann nähme er sie schließlich mit ins Grab. Und das will ja schließlich keiner, oder?

Und es haben sich auch andere gefunden, die ihre eigene Lesart entwickelten. Unter anderem Peter Böving. Und Bettina Marugg. Und Frank Heuel. "Jandls Ernst" wurde 1995 mit Schauspiel, Sprech- und Singspiel, Glocken- und Bassspiel, Besteck- und Lichtspiel nicht nur als Hommage an den Spieltrieb, sondern in erster Linie einmal als Bühnenprogramm geboren, mit dem die Interpreten unter anderem die Goethe-Institute halb Nord- und Osteuropas bereisten, und einige Jahre später, 1998/99 als CD produziert.

Nachzulesen ist die Entstehungs- und Erfolgsgeschichte des Projekts auch auf einer eigenen Homepage unter www.jandlsernst.de, die bisher knapp 7.000 User besuchten, um zu sehen und nicht zuletzt zu hören, wie es gelingen kann, "mit sprache sprachlos zu machen" und wie Jandl-Interpreten heute mit dessen Texten umgehen.

"Jandls Ernst"geht weit über das hinaus, was man landläufig unter "Lesung" versteht. In einem Freejazz der Sprache verschmelzen Geräusche, Worte, Silben, Laute, Klänge zu einem beinahe orchestralen Ganzen, das auf keine Hörgewohnheiten Rücksicht nimmt. "Jandls Ernst" ist weder Hörbuch noch Musik und stellt die Grenze dazwischen in Frage. Rhythmisch versetzte Stimmen, kaum noch zu erkennende Lieder von Brahms und Schumann sind nur ein paar der Zutaten für Feinschmecker.

Als eigenständige Interpreten wagen sich die Künstler sogar über so bekannte Texte wie "auf dem land" oder "schtzngrmm", um ihnen ihre persönliche, verspielte, verjazzte Note zu verleihen, ergänzen Jandls Originalität mit ihrer eigenen. Und der Hörer ist keineswegs überrascht festzustellen: "Jandls Ernst" kennt viel Humor oder, wie Marianne Weber feststellte: "als man seine gedichte zum ersten mal hörte, kullerte einem etwas entgegen, was sich ausnahm wie ein schneeball auf einer sommerwiese. reime, nur von der vorliebe für einen vokal zusammengeballt, silben wie wild vom sprachbaum geschüttelt."

Sabine E. Selzer Literaturhaus Östereich 20. Mai 2003
http://www.literaturhaus.at/buch/hoerbuch/rez/jandls_ernst/